Die Google Falle – oder: wenn schon ein Buch, dann nicht dieses.
Gerald Reischl: Die Google Falle.
Gerald Reischl recherchiert lange (gründlich?) und schreibt ein Buch über Google. Seine Kernaussage: Google möchte die Weltherrschaft erlangen, Google ist böse. Das Ergebnis ist ein sehr reißerisches aber nicht immer faktengestütztes Werk. Obwohl die Datensammelwut Googles in der Tat bedenklich ist, sind Reischls Argumente zur Stützung seiner These teilweise an den Haaren herbeigezogen, der streckenweise boulevardeske Schreibstil passt da dazu.
Einige Beispiele:
.) S. 35: Der Autor beklagt, dass Wikipedia Einträge von Google anders gewichtet werden als von anderen Suchmaschinen. Tatsächlich wird es keinen Suhbegriff geben, der in allen Suchmaschinen das gleiche Ergebnis liefert – und das ist auch gut so. Dass Google die Suchanfragen analysiert ist nicht von vornherein böse, sondern hilft den Suchalgorithmus zu verfeinern.
.) S.75: Google wird vorgeworfen, dass bei Gmail der Inhalt von Mails gescannt wird. Dieses macht aber nicht bloß Google, sondern wahrscheinlich jeder Mailanbieter, zum einen um Spam zu blockieren – und dafür sind Sie wahrscheinlich dankbar – zum anderen aber auch um Werbeangebote abzustimmen. Dieser Tatsache muss sich jeder Benutzer von derartigen Diensten bewusst sein, ist aber nicht Gmail spezifisch.
.) S.90: Nicht beta sondern omega. beta steht nicht für eine Qualitätsstufe – wie vom Autor angenommen – sondern für eine Entwicklungsphase. Nach dem Alphatester dürfen die Betatester eine Software auf Herz und Nieren prüfen, bevor es zum Release kommt. Eine Version Omega wäre demzufolge ein äußerst ausgereiftes Produkt, was des Autors Meinung zu Google Chrome aber offensichtlich nicht ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsstadium_(Software)
.) S.140: Die Copy Paste Gesellschaft: Völlig absurd ist es Google für die Copy-Paste-Kultur verantwortlich zu machen. Das Kopieren und Einfügen von Texten funktioniert auch ohne Internet, mit anderen Quellen, mit beliebigen Suchmaschinen. Warum ist Google böse, Bing, Altavista, Yahoo! aber nicht?
Ein ewiges Problem der Menschheit ist der Verlust an Informationen über Generationen hinweg. Das Internet und insbesondere Suchmaschinen machen Informationen schnell und einfach verfügbar, der Zugang ist demokratisiert. Informationen, die man früher tagelang in Archiven hätte suchen müssen, findet Google innerhalb von wenigen Sekunden, nachzulesen in der Google Falle.
Die einzige denkbare Alternative zu privaten Suchmaschinen sind solche in staatlicher Hand. Da wären wir Big Brother dann wesentlich näher.
Wenn schon ein Buch, dann zum Beispiel:
Konrad Paul Liessmann: Theorie der Unbildung
oder/und!
Tor Nørretranders: Spüre die Welt. Die Wissenschaft des Bewusstseins
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