Digitale Dogmen – die Devices (Trilogie, Teil 2)

„Vergesst Tablets, in Zukunft werden alle Menschen nur mehr mit Smartphones lernen!“ Aussagen wie diese findet man in den einschlägigen Foren, in Facebookgruppen und G+ Communities immer wieder.

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Wer anderer Meinung ist und diese kundtut, wird schnell als ahnungslos und als nicht auf der Höhe der Zeit abgekanzelt. Wobei in obiger Aussage die Bezeichnungen ‚Tablets‘ sowie ‚Smartphones‘ durch Wearable Computing, Smartwatches, Google Glasses, Notebooks, Netbooks etc. etc. ersetzt werden können.

Tatsächlich ist zur Zeit nicht voraussagbar, welcher Typ an Devices in Zukunft mehrheitlich zum Lernen in und außerhalb der Schule zum Einsatz kommen wird. Ich wage aber die Prognose, dass es keine Reduktion auf einen Gerätetyp geben wird.

Bis um die Jahrtausendwende war es relativ einfach in Technik für die Schule zu investieren: die Geräte des EDV Raums wurden durch eine neuere Generation ersetzt. Mittlerweile stellt sich zusätzlich die Frage, welche Kategorie an Geräten gekauft werden soll. Die geplante Art der Nutzung bestimmt auch, welche Devices eher zum Einsatz kommen sollten. Die Entscheidung für eine bestimmte Form ist somit auch eine Entscheidung für eine vorwiegende Art der Verwendung, für bestimmte Arbeiten sind bestimmte Typen effizienter.

Das bedeutet, dass die Schulen eher mit Technologieparks zu tun haben werden und nicht mit homogenen Lösungen, was die Sache nicht einfacher machen wird. Tablets für das schnelle Recherchieren, Konsumieren, für die mobile Nutzung, Notebooks oder hybride Lösungen für Textgestaltung und auch weiterhin Desktop-PCs für aufwändigere, kreative Arbeiten.

CC Derrick Bostrom

Wie es auch in den letzten Jahrhunderten unterschiedliche Buch- und Heftgrößen, mit unterschiedlicher Lineatur für unterschiedliche Aufgaben gab, so wird es in Zukunft nicht das eine perfekte Gerät für alle Schulstufen, alle Gegenstände und alle Aufgabenstellungen geben. Was sich aber ändert, ist, dass Lehrende einer Klasse/Schule aufgrund von Kostengründen sich auf Standards einigen werden müssen.

Schulen werden sehr gerne mit Firmen verglichen und Wirtschaftsunternehmen sind in ihrer technischen Ausstattung meist den Bildungsinstitutionen voraus. Keine der mir bekannten Firmen verwendet ausschließlich Tablets oder Smartphones aber auch nicht mehr nur Desktop-PCs.

Es wurde in mehreren Ländern der Versuch gestartet, Tablets oder Notebooks flächendeckend einzuführen. Viele dieser Projekte sind gescheitert und teilweise wurden die Geräte unbenutzt an die Schulbehörden zurückgeschickt. Vermutlich wäre es sinnvoller, den Schulen finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, die Entscheidung über die Art der Devices den Schulen zu überlassen, diesen aber gleichzeitig Strukturen der Unterstützung in der Entscheidungsfindung, der Administration und Anwendung anzubieten. Der Entschluss würde subsidiär getroffen werden und die Lehrenden würden somit eher zu dieser Entscheidung stehen. Da die technologische Entwicklung nach wie vor nicht absehbar ist, wäre diese Vielfalt auch eine Risikominimierung für das Bildungssystem insgesamt. Also: keine Scheuklappen bei digitaler Bildung sondern Offenheit für neuartige und andere Devices, Formate und Lernsettings.

 

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